#blackouttuesday, unsere Website und unser Instagram Account

Vorwort: Ich weiß, dass das ein sehr langer Artikel ist. Ich versuche hier aber zum einen für mich selbst meine eigenen Gedanken zu sortieren. Zum anderen möchte ich euch bei einem solchen Thema fundierte und einigermaßen gut recherchierte Inhalte mitgeben. Ich weiß, dass er nicht leicht zu lesen ist. Aber ich würde mich freuen, wenn ihr es trotzdem tut und vielleicht sogar auf den verlinkten Quellen weiterlest. Zum einfacheren Lesen und für Transparenz: der schwarze Text ist von mir, der gelbe Text sind als direkte Zitate von anderen Quellen übernommen. Kerstin.

Puh. Die letzten Tage habe ich viel gelesen, viel überlegt, vor dem Einschlafen Katzenvideos angeschaut. Zum ersten Mal hatte ich wirklich das Gefühl, dass mich die Informationsflut auf Social Media überfordert, mich nicht zur Ruhe kommen lässt.

Die letzten Wochen kam ich schon manchmal an meine „Toleranzgrenzen“ durch viel Verschwörungsschwurbelei. Ich habe gesehen, wie Bekannte, mit denen ich lange nichts mehr zu tun hatte, Links von unseriösen Quellen geteilt haben. Ich habe mir überlegt, ob und was ich darunter posten soll. Ich merkte, dass mich das Lesen insbesondere von Kommentaren auf Facebook richtig wütend macht. Der „richtige“ Abstand zu Social Media fiel mir da schon schwer.

Dann kamen die Nachrichten rund um den Mord von George Floyd und der #blackouttuesday. Aus Solidarität habe auch ich auf unserem Instagram-Account ein schwarzes Bild gepostet. Und dann? Dann puh. Ich habe verstanden, für was das schwarze Feld steht. Eben nicht (nur) für Solidarität, nicht für ein „wir denken an euch“, nicht für das berüchtigte „love & prayers“, das man aus den Staaten kennt. Sondern für ein „muted. but listening“. Für ein „muted. but learning“. Ich habe viel gelesen, viel überlegt, versucht zu reflektieren und versucht zu erkennen, wo auch ich mich im Alltag rassistisch verhalte. Und was soll ich sagen? Ich weiß nicht wo ich starten soll. Mein Kopf surrt, meine Gedanken wirbeln immer noch.

Noch vor einer Woche hätte ich gesagt, ich habe mich in den letzten Jahren schon ein bisschen versucht einzulesen und versucht, mich zu hinterfragen und Perspektiven zu ändern. Besonders getroffen hatte mich vor ein, zwei Jahren ein Artikel zum Thema der kulturellen Aneignung (https://editionf.com/halloween-kostueme-kulturelle-aneignung/). Mein Indianerkostüm ist für mich seither ein No-Go.

Und doch: Je mehr ich die letzten Tage gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, gerade mal so an der Oberfläche zu kratzen. Jeder gelesene Artikel, jeder gelesene Post auf Instagram hat mich zu neuen Internetseiten, zu neuen Accounts, zu neuen Podcasts oder Youtube Videos, zu neuen Themen geführt. Und so könnte es vermutlich noch Tage oder Wochen weitergehen. Versteht mich richtig, ich möchte mich hier auf keinen Fall beschweren: Ich weiß, dass ich einfach meinen Laptop zuklappen kann, während Betroffen sich mit diesem Thema tagein tagaus auseinandersetzen müssen, und zwar nicht so objektiv wie ich das hier machen kann. Ich versuche lediglich meine Gedanken zu ordnen, zu verstehen was ich lese und alles was ich lese auch mit meinem Verhalten abzugleichen.

Die wichtigste Erkenntnis, die ich mit euch an dieser Stelle teilen möchte: Hier auf unserer Seite und auf unserem Instagram-Account hat uns der Alltagsrassismus fest im Griff. Damit meine Gedanken nicht noch mehr wirbeln, versuche ich erst einmal zwei Themen anzugehen.

Unser Rallye-Name KEJU Afrika

Als wir uns für den Namen entschieden haben, taten wir uns bei einer kreativen Namensfindung wirklich schwer. Wir wollten einen Namen, den sich vor allem Verwandte und Bekannte leicht merken und den sie leicht im Internet finden konnten. Und wir wollten diesen Namen nicht nur für die Rallye, sondern darüber hinaus für weitere Reiseberichte verwenden. Deshalb sind wir immer wieder auf KEJU (Kerstin & Julian) gekommen. Deshalb findet ihr uns hier auch unter keju-unterwegs, denn auch die Website sollte über die Rallye hinaus Bestand haben. Auf Instagram wollten wir unseren Namen dann auch irgendwann auf keju_unterwegs umändern. Aber, so dachten wir uns das, wir brauchen ja auch einen Namen, der sich eindeutig auf die Rallye bezieht. Der das Interesse der anderen weckt, bei dem leicht ins Gespräch kommt, den man gut erklären kann. Also KEJU Afrika.  

In den letzten Tagen habe ich vieles über die Verwendung des Begriffs „Afrika“ gelesen. Auch wenn uns bewusst ist, dass Afrika ein Kontinent und kein Land ist, suggeriert der Name „ein“ pauschales Bild. Das erklären folgende Auszüge aus verschiedenen Quellen sehr gut.

Quelle: https://wolkenguckerin.de/wenn-wir-ueber-afrika-reden/, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Was kommt uns in den Sinn, wen wir (=Mitteleuropäer*innen) an Afrika denken? Vermutlich an Hitze und Wüste, Armut und Korruption, zu viele Kinder und zu viel Terror. Viele unserer Assoziationen sind ja per se nicht falsch. Nur eben nicht pauschal für einen Kontinent, wie Afrika es ist, anwendbar (…) In Südafrika gehen 15-24jährige Frauen derzeit ca. 11,7 Jahre zur Schule. In Niger? Gerade mal 2,7 Jahre.“

Quelle: https://www.spreewild.de/klartext/2018/02/alltagsrassismus uebrigens-afrika-ist-kein-land/, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Aufklärerisch prangen in unserem Lehrbuch Statistiken zu der genetischen Ähnlichkeit verschiedenster Menschen. Vier Deutsche. Franzose. Afrikaner.“ steht darunter. Erst merke ich den Fehler nicht. In der Schule habe ich schon immer viel hinterfragt, aber nur selten das scheinbar Objektive. Dann trifft es mich wie ein Schlag. Meine Selbsttäuschung zerbröckelt. Ein paar Tage später beleidigt Trump Afrika als ein „Drecksloch“. Auch er scheint anzunehmen, Afrika sei ein Land.Wir lachen darüber, doch dezent subtil sind wir der Illusion alle aufgesessen.”

·       “Wenn ich früher an Afrika dachte, sah ich Bilder abgemagerter Menschen vor meinem inneren Auge, wie man sie von Unicef-Plakaten kennt. Dazu gesellten sich die Bilder aus dem Ethnologischen Museum: Menschen in Hütten, irgendwo in einer roten Savanne zwischen Elefanten und Löwen. Ein realistisches Bild zum Abgleich fehlte mir. Ein Bild des großen und bunten Afrikas. Ein Bild der verschiedensten Kulturen und Religionen, allen voran des Islams und des Christentums, der verschiedenen Hautfarben und mehr als 2 100 gesprochenen Sprachen und Idiome. Um eine komplexe Welt zu verstehen, wird sie reduziert. Dabei wird allen vermeintlich rückständigen Orten der Erde ihre Diversität abgesprochen.“

Hinzu kommt, dass die sog. „Afrikaterminologie“ stark geprägt ist durch Kolonialismus und Rassendenken.

Quelle: https://m.bpb.de/gesellschaft/migration/afrikanische-diaspora/59407/afrikaterminologie, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Als Sklaverei und Kolonialismus, die ökonomische Ausbeutung sowie die politische Unterdrückung Afrikas einer moralischen (Schein-)Legitimierung bedurften, formierte sich nicht nur der Rassismus als Rechtfertigungsideologie. (…) Darauf aufbauend erfand Europa sein Afrika. Dabei wurde Afrika zur Negation dessen konstruiert, was sich West-Europa zu sein vorstellte bzw. wünschte. In diesem Prozess war Sprache ein wichtiges Medium zur Herstellung und Vermittlung des Legitimationsmythos, Afrika sei das homogene und unterlegene “Andere” und bedürfe daher der “Zivilisierung” durch Europa.”

·       “Im Kontrast zu dieser Konstruktion von Afrika als “Natur” und Schwarzen als “Bindeglied zwischen Mensch und Tier wird Europa als “Kultur” konstruiert. Dabei wird Europa nicht nur als überlegener Gegenpol dargestellt, sondern als “Norm” gesetzt. Das vollzieht sich in einem eher impliziten Verfahren. Wenn zum Beispiel “Naturvölker zu “Völkern”, “Naturreligionen” zu Religionen und “Buschmänner” zu Männern bzw. Menschen stehen, im wird ein spezifizierender Unterbegriff einem generischen Oberbegriff gegenübergestellt.“

Quelle: https://m.bpb.de/apuz/277735/den-kolonialen-blick-ueberwinden-afrikabilder-und-afrikapolitik-essay, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Afrika stand in Deutschland als Thema lange Zeit im Hintergrund des öffentlichen Interesses – die Wahrnehmung war weitgehend von Klischees bestimmt: “Unterentwickelt” meinte stets “nicht so entwickelt wie wir”. Man blickte auf Menschen in Afrika herab, bestenfalls auf arme Menschen, denen wir irgendwie helfen müssen. Bis heute ist das allgemeine “Afrikabild” weitgehend von kolonialistischen, paternalistischen Stereotypen beeinflusst. Direkte Kontakte mit Menschen in und aus Afrika sind noch immer eher selten.”

·       “Die reproduzierten Stereotype von Afrika zeigen die enge Vernetzung von Kolonialismus, Rassismus und Afrikabildern: Die Anglistin und Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt hat darauf hingewiesen, dass in der Formierung des Rassismus eine Rechtfertigungsideologie für die europäischen und nordamerikanischen Eroberungen zu sehen sei. Die Afrikastereotypen hätten eine Legitimations-, Entlastungs- und Verschleierungsfunktion.”

·       “Ein differenzierteres Bild von Afrika sollte möglichst weitgehend und entsprechend der Vielfalt des Kontinentes die Lebenswirklichkeit, den Alltag der Menschen wie auch die Beziehungen von Deutschland und Europa mit den Ländern und Gesellschaften Afrikas widerspiegeln. Eine Herausforderung bleibt, dass nur eine sehr kleine Minderheit der Menschen hier die Möglichkeit hat, das überlieferte Afrikabild durch eigene Erlebnisse und Erfahrungen zu ergänzen. Die mediale Vermittlung bleibt dominant – und die Förderung von Medienkompetenz daher wichtig.“

Quelle: https://www.pedocs.de/volltexte/2015/10619/pdf/ZEP_2_2013_Ziai_Frohe_Weihnachten_Afrika.pdf, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Repräsentation des Südens als passiv und unfähig, selbst aus dem elenden Zustand zu entkommen und als angewiesen auf die helfende Hand aus dem Norden steht in nahezu unmittelbarer Kontinuität zu kolonialen Sichtweisen und unterschlägt sowohl die Verbindung zwischen den Lebensumständen auf der einen und der Außenwirtschaftspolitik auf der anderen Seite der Erde wie auch die zahlreichen sozialen und politischen Kämpfe in den entsprechenden Gesellschaften. Internationale wie innergesellschaftliche Machtverhältnisse und Interessenskonflikte werden ausgeblendet, Armut wird entpolitisiert und als technisches Problem dargestellt, dessen Lösung in größerer Wohltätigkeit der vom System relativ Begünstigten und nicht in einer Änderung der Machtverhältnisse verortet wird.”

Bei meinen Recherchen bin ich auch auf diesen interessanten Artikel (Link, abgerufen am 05.06.2020) gestoßen, der den versteckten Rassismus in Schulbüchern behandelt und über die Afrikaterminologie hinaus noch weitere anschauliche Beispiele gibt.

Mein Fazit

Nachdem ich das alles gelesen habe, hat sich „KEJU Afrika“ nicht mehr gut angefühlt. Und das ist ok so. Ich kann den Rallye-Namen nicht mehr ändern, aber ich kann mir überlegen wie wir jetzt damit umgehen. Deshalb warte ich mit der Umbenennung unseres Accounts auf Instagram nicht, bis ich auf Fotos von anderen Urlaubsländern poste. Ab sofort sind wir unter keju_unterwegs zu finden. Unsere Facebook-Seite „KEJU Afrika“ habe ich gelöscht – nicht nur wegen des Namens, sondern auch wegen der Kommunikation an sich, die jetzt im nächsten Punkt kommt.

Unsere Kommunikation bei der Rallye: „Für den guten Zweck“, „Die
Welt ein bisschen besser machen“ und die dazugehörigen Fotos

Im Urlaub nicht nur ein kleines Abenteuer zu erleben, sondern auch etwas Gutes tun war für uns in der Tat der Grund, warum wir an der Rallye teilnehmen wollten. Wir haben in Namibia viel Geld für die Automiete ausgegeben. Warum nicht dieses Geld für einen guten Zweck spenden? Ein Auto für unseren nächsten Urlaub kaufen und den Verkauf spenden, satt als Automiete „aus dem Fenster zu werfen“? Außerdem wollten wir auch vorab die Werbetrommel rühren, Leute (online) informieren mit der Hoffnung, dass der ein oder andere für den AEPN spendet. Das ist per se auch nicht schlecht. Aber dabei haben wir nicht nur den AEPN in den Fokus gerückt, sondern auch uns. WIR tun etwas Gutes, WIR machen die Welt ein bisschen besser. WIR posten Fotos mit mauretanischen „armen“ Kindern, die wir tatsächlich nur für ein paar Stunden kennengelernt haben.

Auch hier habe ich in den letzten Tagen viel über einen Begriff gelesen, den ich davor nicht kannte, nämlich „White Savorism“. Oft genannt wurde dieser Begriff in letzter Zeit wohl auch bei bekannteren Influencern, an sich ist die Idee dahinter nicht neu. Auch hierzu ein paar interessante Auszüge mit Quellenangaben.

Quelle: https://www.arte.tv/de/articles/white-saviorism-wenn-hilfe-nicht-hilfreich-ist, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Bei einem „White Savior“ (deutsch: Weißer Retter) handelt es sich um eine privilegierte Weiße Person, die sich mit gut gemeinten Ideen ans „andere“ Ende der Welt aufmacht (…),  um in „armen Schwarzen Gemeinden“ ein gutes Werk zu vollbringen. Dabei besitzt sie keine wirklich hilfreichen Qualifikationen wie beispielsweise eine medizinische Ausbildung und kennt sich auch nicht mit der Kultur des Landes aus. Außerdem präsentiert sich der „Weiße Retter“ oftmals in den sozialen Netzwerken auf Fotos mit „armen Schwarzen Kindern“ als Held.”

·       “Die Begriffe „Weiß“ und „Schwarz“ bezeichnen in diesem Kontext übrigens nicht die Hautfarbe einer Person, sondern vielmehr das menschengemachte politische und soziale Machtgefälle dahinter. Deshalb werden die Begriffe in diesem Fall großgeschrieben.”

·       “Die „Hilfe“ von Freiwilligen und Prominenten mit dem „White Savior“- Problem ist also wenig hilfreich, da sie oft an den eigentlichen Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeigeht. Weil die „Helfer“ das nicht erkennen, glauben sie am Ende trotzdem etwas Gutes getan zu haben.”

·       “Wenn deine Hilfe wirklich den Menschen Gutes bringen soll,  denen du angeblich helfen willst, dann musst du das nicht in den Sozialen Medien teilen“. Was die Aktivistinnen von „No White Saviors“ nicht sagen, ist, dass man keine Fotos machen darf. Man sollte sich jedoch stets fragen, welche Geschichte diese Bilder erzählen und sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen. Kennt man die Personen nur kaum, hat ihr Leben auch nichts auf dem eigenen Instagram-Account zu suchen. Es wird auch nicht behauptet, dass man kein Geld an westliche oder lokale Hilfsorganisationen spenden darf. Gefordert wird, dass man sich mit der Struktur und den Projekten der Einrichtung im Vorfeld auseinandersetzt: Wie transparent ist die Institution gestaltet? Handelt es sich um geschultes Personal? Und schließlich wird auch nicht in Frage gestellt, dass das Engagement von westlichen NGOs und Freiwilligen durchaus wertvoll sein kann.“

·       “Es gibt Auswege, beweist der Werdegang von Kelsey Nielsen. „No White Savior“ geben in ihrer Online-Kampagne Verhaltenstipps. Um zu vermeiden auf der nächsten Reise auch als „Weißer Retter“ unterwegs zu sein, könne man sich folgende Fragen stellen: Würde man Gemeinden immer noch besuchen wollen, wenn man keine Kamera dabei hätte? Bereist man einen Ort aufgrund dessen, was er zu bieten hat oder was ihm fehlt? Wie würde man selbst reagieren, wenn Fremde Fotos von den Nachbarskindern vor der eigenen Haustür machen?”

·       “Feiwilligen rät die Gruppe, nicht einfach mit Lösungen aufzutauchen, ohne vorher hingehört zu haben. Es sei nicht an ihnen zu entscheiden, was hilfreich ist und was nicht. Sie rufen dazu auf, sich als Partner zu sehen und Projekte zu unterstützten, die bereits von Einheimischen geführt werden. Man müsse akzeptieren, dass man keine Hilfe ist, wenn es Menschen vor Ort gibt, die für einen Job genauso oder besser geeignet wären.”

·       Kommt in unsere Gemeinden, aber fragt uns, was wir brauchen und wenn ihr uns zuhört und die Hilfe an den Stellen leistet, an denen sie gebraucht wird, dann wird diese Hilfe auch wirklich sehr geschätzt! – Olivia Patience von @NoWhiteSaviors“

Quelle: https://utopia.de/stefanie-giesinger-white-savorism-165847/?amp, abgerufen am 05.06.2020:

·       “Stefanie Giesinger wird „White Saviorism“ vorgeworfen, in den sozialen Medien war die Kritik groß: „Das ist „white saviorism“ (…) vom Feinsten und deswegen eine extrem problematische Darstellung von einem weißen Prominenten, der „Gutes tut“, ohne auf die Hauptursache von globaler Ungleichheit hinzuweisen – die Ausbeutung von Ländern des globalen Südens durch den globalen Norden in der Vergangenheit und aktuell“, schrieb beispielsweise eine Kommentatorin auf Instagram.”

·       “Weiße reiche Westliche, die zur strukturellen Abhängigkeit dieser Länder beitragen und Fotos mit ‚lachenden‘ Schwarzen Kindern machen“, meint eine andere Nutzerin. Giesinger hätte ihre Reichweite auch nutzen können, um lokale Mitarbeiter oder Anwohner zu Wort kommen zu lassen, die sich täglich engagieren – anstatt nur sich selbst zu inszenieren.”

·       “Die Aufnahmen von Giesinger sind problematisch, weil sie gängige „Afrika“-Klischees bedienen, die Aktivisten schon seit Jahrzehnten kritisieren: die „armen“ Schwarzen Kinder, die schüchtern in die Kamera schauen, kaputte Schulen, Not und Armut. Im Mittelpunkt steht die weiße Retterin – hier Stefanie Giesinger. Sie ist da, um die Probleme zu lösen und Essen zu verteilen.”

·       “Der Begriff „White Saviorism“ wurde vor allem in Bezug auf Freiwilligenarbeit und NGOs geprägt: Junge Menschen – meist aus Europa oder den USA – reisen nach dem Schulabschluss in Länder des globalen Südens, um dort etwas für den guten Zweck zu tun. Sie geben Englischunterricht oder arbeiten in einem Waisenhaus. Was nicht fehlen darf: Bilder von ihrem Aufenthalt. Am beliebtesten ist dabei das Foto der weißen Person inmitten einer Gruppe Schwarzer Kinder – oder leidende Kinder. Nach drei Wochen kommen die Jugendlichen mit dem Gefühl nach Hause, die Welt ein Stückchen besser gemacht zu haben – und mit jeder Menge stereotyper Bilder.”

Mein Fazit

Nachdem ich das gelesen hatte, bin ich richtig ins Zweifeln gekommen. Plötzlich fühlte sich nicht nur unser Teamname nicht mehr richtig an, sondern auch unsere ganze Kommunikation zur Rallye und vielleicht sogar die Rallye selbst. Jetzt, ein paar Tage später, finde ich es gut, dass wir die Rallye gemacht haben. Die Verkaufserlöse helfen den Leuten vor Ort. Wir haben uns vorab mit dem Verein hinter der Rallye auseinandergesetzt, haben uns bewusst dafür entschieden. Wir haben uns vorab sehr gut informiert, was die Menschen vor Ort dringend brauchen, was aber auch nicht. Aber an der Kommunikation kann ich arbeiten.

Ich habe versucht, hier auf der Website die Texte zu bearbeiten. Formulierungen und Floskeln wie „anders als in hier in Deutschland“, „dort in Mauretanien“, „uns geht es gut, ihnen nicht“, „wir unterstützen arme Kinder“ herauszunehmen. Und im selben Atemzug muss ich sagen: Ich weiß, ich habe es nicht geschafft. Ich hoffe aber, ich habe es etwas besser gemacht als zuvor.

Ich habe auch versucht, hier auf der Website alle Fotos zu löschen, die „uns weiße Helfer mit den armen afrikanischen Kindern“ zeigen und zwar im Kontext der Eigenwerbung für unsere Wohltätigkeit. Und auch hier muss ich sagen: Vermutlich werden hier wieder ein paar Bilder auftauchen, zumindest wenn ich im Reisetagebuch über unseren Besuch im Kinderhaus berichte. Ich versuche aber, einen anderen Fokus zu wählen.

Auf Instagram wird es noch schwieriger: In fast allen unseren Beiträgen habe ich Hashtags wie #diewelteinbisschenbessermachen #wennjedereinbisschengibt #urlaubfürdengutenzweck #rallyehumanitaire. Viel Werbung für UNS, wenig Fokus auf die Leute dort. In jedem der Beiträge gibt es den Text, dass wir mit unserer Teilnahme ein mauretanisches Kinderhaus unterstützen. Und natürlich gibt es auch die obligatorischen Bilder, auf denen Julian und ich mit den Kindern spielen. Ich habe überlegt, ob ich diese Bilder rausnehme, die Texte und Hashtags ändere bzw. lösche. 

Im Moment denke ich, ich mache es nicht (aber auch das kann sich noch ändern, noch wirbeln meine Gedanken ja). Dafür gibt es mit dem schwarzen Post zum #blackouttuesday  einen klaren Schnitt, ich versuche es auch hier zukünftig besser zu machen. Ich hatte eigentlich geplant, noch ein paar DANKE Stories für unsere Unterstützer zu posten und eine Story dazu, wie viel Geld unser Autoverkauf dem Kinderhaus eingebracht hat. Das lasse ich. Auch das fühlt sich nicht mehr richtig an.

Ich versuche weiterhin viel zu lesen und zu überlegen, aber ich weiß auch, dass das nicht von heute auf morgen klappen wird. Gebt uns deshalb gerne Feedback, wenn auch euch noch rassistische Darstellungen bei uns auffallen!

Zusammenfassend möchte ich euch außerdem noch diesen Artikel (Link, abgerufen am 05.06.2020) empfehlen, er beleuchtet Rassismus in der Entwicklungszusammenarbeit. Ich habe weiter oben nur einen Absatz zitiert, aber eigentlich ist jeder einzelne Absatz verdammt wichtig! 

kejuunterwegs Verfasst von:

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